Eine Konzertkritik von Carl Ludwig Hübsch, Mai 2014 

Plattform Nicht Dokumentierterer Ereignisse Konzert vom 16. Mai 2014

Selten erlebt man Konzerte, die den ganzen Reichtum der Improvisierten Musik so kompakt aufzeigen. wie das am vergangenen Freitag in der Reihe mit dem seltsamen Namen „Plattform Nicht Dokumentierbarer Ereignisse“. In einem Hinterhofatelier in der Körnerstrasse, zwischen Kunstwerken, Farbensammlungen und Zeichentischen bereitet die Arbeitsatmosphäre der Künstlerin und Hausherrin Ulrike Geitel den Boden für Werkstattkonzerte im besten Sinne des Wortes.

Auf dem Programm standen ein Celloquartett und ein Bläserduo. Das Quartett der Kölner Elisabeth Fügemann und Nathan Bontraeger, sowie der Berliner Nora Krahl und Vincent Hugues, eröffnete den Abend in traumwandlerischem Spiel.

Man konnte erleben, wie auf der Basis flüssiger Kommunikation jeder Moment das Potential hat, zu Musik zu werden. Ob es rasant fluktuierende Gewebe waren, in denen die vier Celli zu einem Metacello zu verschmelzen schienen, oder ein Patchwork verschiedenster ineinander gesetzter Stimmen, die sich durchdrangen, nicht einfach nebeneinander gesetzt waren, die vier Streicher standen durchweg in engstem Kontakt. Und dieser blieb nicht auf die Instrumentalisten beschränkt: Selbst der Gesang einer Amsel, die auf dem Glasdach des Ateliers jubilierte, fand seinen Platz in dieser Musik, die aus dem Moment entstand und bisweilen doch so durchkomponiert wirkte.

In grösster Achtsamkeit wurde kontrastiert, mitgegangen oder geschwiegen, wurde ein Motiv entwickelt, wenn es eines brauchte, enstand ein Rhythmus oder eine Textur. So klang die Musik, gespielt von vier durchaus unterschiedlichen Charakteren, wie aus einem Guss, mal an den orchestralen Streichersatz erinnernd, mal geprägt vonsolistischen Aktionen, in vielfältigsten Facetten, aber nie aber beliebig und stets getragen von einem beeindruckenden Ensemblegeist.

Einen starken zweiten Teil des Abends lieferten der in Erftstadt lebende Joachim Zoepf&nbsp (Bassklarinette/ Sopransaxophon), sowie der Kassler Martin Speicher (Klarinette, Saxophon). Auch hier klangen Instrumente der gleichen Familie zusammen, diese Musik liess aber deutlich mehr Widerspruch anklingen als das symbiotische Spiel der vier Celli. Die beharrliche Energie feinster Klarinettenklänge von Speicher, aus dem nichts kommende Töne in grosser Ruhe, schienen von einer impulsiv agierenden Bassklarinette zunächst unberührt. Doch je länger sich das Spiel entwickelte, desto mehr näherten sich die Stimmen an, und das, ohne ihre typischen Merkmale zu verlieren. Und so zeigte sich, dass es nicht immer die Gleichheit der Mittel ist, die Verständigung möglich macht, sondern bisweilen gerade das Gegenteil. Unterschiedliche musikalische Sprachen reagieren miteinander, getragen von einem gemeinsamen Hören, vom Blick für das Notwendige und Verzicht auf das Überflüssige.

Man freut sich auf weitere Konzerte der Plattform Nicht Doukumentierbarer Ereignisse an diesem besonderen, fast unbekannten Ort in Köln. Im Internet lassen sich Eindrücke des Konzertes übrigens in einer Fotoserie des Fotografen und Künstlers Ulrich Dürrenfeld gewinnen.

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